Am 05.11.2007 erschien bei Spiegel Online folgende Meldung bezüglich des Arzneimittels Trasylol®

Bayer nimmt Herzmedikament weltweit vom Markt
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer stoppt weltweit den Verkauf seines umstrittenen Medikaments Trasylol. Das bei Herzoperationen eingesetzte Mittel könnte einer Studie zufolge zum Tod des Patienten führen.
Hamburg - Bayer teilte heute mit, die Vermarktung von Trasylol weltweit vorübergehend auszusetzen. Eine kanadische Studie hatte zuvor Hinweise auf ein erhöhtes Todesrisiko bei Patienten ergeben, die mit dem Medikament behandelt wurden. Man werde Warnschreiben an Ärzte und an Krankenhausapotheker versenden, teilte das Unternehmen mit. Die noch nicht verbrauchte Ware werde vom Markt zurückgerufen.
Mit dem Vermarktungsstopp folgt Bayer einer Anordnung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und Empfehlungen der US-Zulassungsbehörde FDA. Das Bundesinstitut betonte, das Medikament dürfe ab sofort nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Bayer sprach von einer erhöhten Sterblichkeit durch das Medikament "im Grenzbereich zur statistischen Signifikanz".
Trasylol wird weltweit bei Herzoperationen zur Verringerung der Blutungen eingesetzt. In den USA erhielt das Mittel 1993 die Zulassung. Seit 2006 gibt es jedoch Bedenken wegen möglicher Risiken des Medikaments. Studiendaten hatten es unter anderem mit Nierenschäden und Schlaganfällen in Verbindung gebracht. Im Oktober wurde bekannt, dass eine Studie vorzeitig abgebrochen worden war, weil eine Zwischenanalyse eine Erhöhung der Gesamtsterblichkeit im Vergleich zu zwei anderen Medikamenten gezeigt hatte.
Der Vermarktungsstopp soll so lange gelten, bis endgültige Ergebnisse einer klinischen Studie aus Kanada vorlägen und analysiert seien, sagte ein Bayer-Sprecher. Mit dem Medikament hat Bayer in den ersten neun Monaten dieses Jahres 93 Millionen Euro umgesetzt, davon etwa 63 Millionen Euro in den USA.
Die vorläufigen Ergebnisse der neuen kanadischen Studie ließen das Nutzen-Schaden-Verhältnis für das Bayer-Medikament als ungünstig erscheinen, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel mit. Deshalb sei das Ruhen der Zulassung angeordnet worden. "Es geht darum, auf Grund der neuen Erkenntnisse Gefahren von Patienten abzuwehren", sagte der Leiter der Aufsichtsbehörde, Reinhard Kurth.

Wissenschaftler bewerten neue Daten
Wissenschaftler würden nun die Daten zusammentragen und abschließend bewerten, hieß es. Dies werde mindestens acht Wochen dauern. Für die Studie waren rund 3000 Herzpatienten seit 2001 untersucht worden, die sich erneut einer Bypass-Operation unterziehen mussten oder eine Herzklappe erhielten.
An den Börsen blieb ein Kurseinbruch der Bayer-Aktie aus: Zur Mittagszeit notierte das Papier bei 57,66 Euro mit 1,55 Prozent im Plus.
Bayer zeigt sich davon überzeugt, dass Trasylol auf der Basis der Gesamtheit der vorliegenden Daten ein positives Nutzen-Risiko-Profil aufweise, wenn es entsprechend den Gebrauchsinformationen angewendet werde. Es ist nicht der erste Rückschlag für Bayer. Ende Oktober gab das Unternehmen Ausbaupläne für sein Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon auf. Der Leverkusener Konzern teilte mit, die Arbeit an einer höher dosierten Version des Mittels gestoppt zu haben, nachdem eine Studie fehlgeschlagen sei. Deshalb müsse das Unternehmen in seinem dritten Geschäftsquartal 152 Millionen Euro abschreiben
Vor wenigen Jahren war Bayer in den USA wegen des Skandals um den Blutfettsenker Lipobay schwer getroffen worden. Lipobay, damals eines der umsatzträchtigsten Bayer-Medikamente, wurde 2001 vom Markt genommen. Es wurde mit dem Tod von mehr als hundert Menschen in Verbindung gebracht.
Quelle: Spiegel Online

Am 15.05.2008 erschien in der Financial Times Deutschland folgende Meldung

Bayer ruft Herzmittel Trasylol zurück
Der Chemiekonzern Bayer nimmt sein umstrittenes Medikament Trasylol nahezu komplett vom Markt. Ein Fachblatt hatte zuvor berichtet, das Herzpräparat erhöhe das Sterberisiko von Patienten. Doch Trasylol ist derzeit nicht die einzige Sorge, die die Leverkusener umtreibt...mehr
Quelle: Financial Times Deutschland

Wie kann ich als Betroffener vorgehen?

Sollten Sie oder ein Angehöriger während einer betreffenden Operation Trasylol® erhalten haben und sollten Sie oder ein Angehöriger möglicherweise dadurch zu Schaden gekommen sein, dürften Ihnen erhebliche Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche zustehen.
Es ist wichtig, dass Sie sich in dieser Situation umgehend von einem fachkundigen Rechtsanwalt beraten lassen.